Linz09 – Ruhr.2010 – zwei Kulturhauptstädte – ein Vergleich
Eigentlich sind sie nicht vergleichbar – 190.000 Einwohner gegenüber 5,3 Mio. Einwohner, eine Stadt gegenüber 53 Städten, Deutschland gegenüber Österreich. Und doch: In beiden Städten geht es um Strukturwandel, um Formate und Antworten auf kulturelle Entwicklungen unserer Zeit. Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler drückte es bei der Eröffnung am 9.1.2010 in Essen so aus: „Hier ist Kultur - ganz im Sinne der alten Folkwang-Idee - keine elitäre Veranstaltung, sondern eine lebensgestaltende Kraft für alle. Sie stiftet Gemeinschaft zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Lebensalter und Interessen. Sie hilft, die Welt von heute zu verstehen und die Möglichkeiten von morgen auszuloten.“
Genauso hätte er es in Linz und zum Programm von Linz09 auch sagen können. Hier werden die Gemeinsamkeiten – trotz unterschiedlicher Dimensionen - deutlich. Ein breiter Kulturzugang als Schlüssel zu Lebensqualität, zu regionaler Identität und als Chance für Toleranz, Innovation und Zukunft. Zentrale Projekte, die Anliegen und Defizite unserer Zeit thematisieren. Entschleunigung in dynamischen Orten und Regionen als Voraussetzungen, auch künftig Mensch bleiben zu können. Projekte wie „Turmeremit“ und „Hörstadt“ in Linz, die Sperrung der Autobahn auf 60 km für einen Tag an der Ruhr. Die Kreativwirtschaft als Schlüssel für Arbeitsplätze und Innovationen in der Zukunft. Das Ars Electronica Center in Linz, das red dot design museum in der Zeche Zollverein in Essen.
Zwei Kulturhauptstädte hintereinander im deutschsprachigen Raum. Eine Programmphilosphie. An der Ruhr in Deutschland und in Linz an der Donau in Österreich kann man heute die kulturellen Prozesse und Projekte entdecken, auf die man im Abstand von Jahrzehnten oder Jahrhunderten erst feststellen wird, was sie ausgelöst und bewirkt haben. Inspirierend sind sie allemal. Die Besucher von Linz haben diese Projekte offen und begeistert aufgenommen. An der Ruhr wird es ähnlich sein. Kulturhauptstadt zu sein ist eine Ehre und ein Impuls für die Stadt und für die Region.
Beide Kulturhauptstädte sind interessant im Vergleich – nicht im Sinne von besser oder schlechter, sondern im Sinne sich ergänzender Impulse. Deshalb lohnt sich der Besuch in Linz auch im Jahr 2010 – vielleicht auf der Fahrt in die ungarische Kulturhauptstadt Pecs oder als Zwischenstopp auf der Reise zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Beide Städte/Regionen haben sich verändert. Tiki Küstenmacher schreibt in seinem Bestseller „Simplify your life“: „Viele Menschen bleiben Raupe, weil sie Angst vor der Veränderung haben. Sie wollen die Komfortzone nicht verlassen. Eine Raupe hat aber nur eine Chance, um Schmetterling zu werden: die große Krise, den kleinen Tod. Das Lebensziel erreicht nur, wer den Weg in die Dunkelheit wagt. Wer loslässt und sich verpuppt.“ Die Kulturhauptstädte 2009 und 2010 haben Metamorphosen durchgemacht. Das macht Sie für einen Besuch interessant, weil man hier nicht nur Veränderungsprozesse entdecken kann, sondern auch den dafür notwendigen Optimismus spürt.
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